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Die Geschichte des Fieberthermometers

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Seit mehreren Jahrhunderten werden Temperaturen mit einem Thermometer gemessen. Als „Urvater“ und „Erfinder“ des Thermometers gilt der italienische Wissenschaftler Galileo Galilei. Ihm verdanken wir Ende des 16. Jahrhunderts das erste Instrument zur Erfassung und Kontrolle von Temperaturwerten. Optik, Beschaffenheit, Anwendung und Intention divergieren allerdings erheblich von den handelsüblichen Fieberthermometern. Damals wurde eine Glasröhre mit integrierter Kugel in ein Becken aus gefärbtem Wasser gegeben. Gemäß dem Prinzip, dass sich Luft bei Wärme ausdehnt, wurde die Glaskugel erhitzt. Nun war folgendes zu beobachten. Die ausgedehnte Luft verdrängte das Wasser und  der Wasserpegel sank. Eine kühlere Umgebungsluft hingegen ließ die Luft sich zusammenziehen und den Wasserspegel steigen. Vergegenwärtigt man sich diese Vorgehensweise wird ersichtlich, dass die ersten Thermometer entgegengesetzt zu unseren aktuellen Temperaturmessgeräten arbeiteten. Hitze ließ den Temperaturwert auf der Säule sinken, während Kälte ihn zum Steigen brachte.

Ganz im Sinne von Galileo und seinen Erkenntnissen und Errungenschaften wurde 1641 von Ferdinand II das sogenannte Galileo-Thermometer konzipiert. Hierbei wurden mehrere mit Wasser oder ähnlichem befüllte Temperaturmessgeräte in einen Behälter mit Flüssigkeit gegeben. Je nach Veränderung der Dichte und der Flüssigkeitstemperatur stiegen oder sanken die Thermometer. Der entsprechende Temperaturwert konnte dann, identisch wie bei dem Vorgänger, auf der Säule erfasst werden. Diese Vorgehensweise ist in Relation zu unseren fortschrittlichen Messmethoden mit Fieberthermometern ausgesprochen unpräzise und langwierig.

1631 kam es durch den französischen Arzt Jean Rey zu einer überarbeiten und optimierten Version der bis dahin vorherrschenden Thermometer. Er erkannte, dass die Temperaturerfassung dieser Gerätschaften nicht ausschließlich die Temperaturveränderung, sondern auch den Luftdruck in die Anwendung integrierte. Dies führte zu fehlerhaften Ergebnissen, da eine Veränderung des Luftdruckes bei gleichbleibender Temperatur die Resultate negativ beeinträchtige. Diese Neuerung wies deutliche Parallelen zum ersten Thermometer auf. Die primäre Reform liegt im Wechsel der Kugelposition von oben nach unten begründet. Durch diesen Wandel wurde ein erheblicher Schritt hin zu den aktuellen Fieberthermometern getan. Allerdings arbeiteten diese Instrumente bis dahin noch immer mit der Ausdehnung von Wasser.

Einer der grundlegenden Meilensteine für die Entwicklungshistorie des Fieberthermometers war das Aufkommen einer einheitlichen Temperaturskala in Kombination mit der Konstruktion der ersten Fieberthermometer durch Daniel Gabriel Fahrenheit im Jahre 1724. Er komplettierte die diversen verschiedenartigen Skalen durch ein konformes Konzept, nach welchem 3 Fixpunkte den Gefrierpunkt einer Salz-Wassermischung (0°F), den Gefrierpunkt des Wassers (32°F) und die menschliche Körpertemperatur (96°F) definierten. Noch heute ist die Temperaturangabe „Fahrenheit“ in den USA vorherrschend. Im Gegensatz zu unseren heutigen Modellen verfügten die ersten Fieberthermometer über eine Länge von nahezu 60 cm. Sie waren sehr unpräzise und kompliziert in der Anwendung. Der englische Mediziner Thomas Albutt revolutionierte 1867 das Fieberthermometer, indem er Exemplare mit einer Länge von 15 cm auf den Markt brachte. Sie waren gewissenhafter in der Temperaturermittlung und glichen in ihrer Größe handelsüblichen Fieberthermometern.

Bis Ende des 20. Jahrhunderts erfolgte die Ermittlung der Körpertemperatur zum Großteil über Quecksilberthermometer (Ausdehnungsthermometer). Kennzeichnend für diesen Typus  war die namensgebende Quecksilbermischung in Kombination mit der dünnen Kapillare und der gut einsehbaren Temperaturskala. Obgleich diese Klassiker unter den Fieberthermometern präzise Ergebnisse lieferten, wurden sie 2009 aufgrund des gesundheitsschädlichen Quecksilbers vom Markt genommen. Das Ausdehnungsthermometer selbst darf allerdings weiterhin mit einer Füllung aus Galinstan oder Alkohol vertrieben werden.

Das Aufkommen des digitalen und fortschrittlichen Zeitalters manifestiert sich auch in der Wahl der Fieberthermometer. Im Verlauf der letzten Jahre hat es einen Run auf die weiterentwickelten digitalen Fieberthermometer und die Modelle auf Infrarot-Basis gegeben. Auch aktuell beherrschen die technischen Temperaturmessgeräte die Fieberthermometer-Branche. Sie sind präzise, benutzerfreundlich, lassen sich angenehm anwenden und sind mit einer Vielzahl an neumodischen Details ausgestattet.

Vergegenwärtigt man sich den stetigen Wandel der Welt in Verbindung mit dem hohen Wert des menschlichen Wohlergehens ist davon auszugehen, dass die Entwicklungshistorie des Fieberthermometers noch nicht abgeschlossen ist.


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